NEU: Ein Gang über die schwäbische Bastille

Kostümführung mit Friedrich Wilhelm Beyhl

Angetreten!

Vom Fürstensitz zur Strafanstalt

Der Hohenasperg ist von Weitem erkennbarer Blickpunkt und beliebtes Ausflugsziel im mittleren Neckarraum. Er ist eine der geschichtsträchtigsten Erhebungen in unserem Land. Seine Bezeichnungen Schicksalsberg, Tränenberg und Demokratenbuckel sind nur einige der Namen, die mit Freiheits- und Demokratiebestrebungen eng verbunden sind. Die Geschichte des Hohenaspergs gilt es zu pflegen und zu bewahren.

Der Hohenasperg, der sich unvermittelt 90 m über der Ebene des mittleren Neckarraums erhebt, hat schon immer die Menschen beeindruckt. Er ist ein sogenannter Zeugenberg. Mit Sicherheit kann man davon ausgehen, dass der Berg bereits in der Steinzeit besiedelt war und als Platz für kultische Handlungen genutzt wurde.

Um den Berg herum hat man eine Vielzahl von keltischen Prunkgräbern gefunden, die den Hohenasperg als bedeutenden keltischen Fürstensitz in Mitteleuropa ausweisen. Mehr als 350 keltische Siedlungen wurden entdeckt. Daraus kann man schließen, dass der Hohenasperg vor 2.500 Jahren Zentrum des keltischen Siedlungsgebiets war.

Auf den Bergen wohnt die Freiheit …

Albrecht Dürer zeichnete auf einer Reise 1519 die Belagerung des Hohenasperg.

Im Mittelalter befand sich auf dem Hohenasperg eine Stadt, die, als 1534 dort eine Festung aufgebaut wurde, an den Fuß des Berges umzog. Von der Festung ist noch viel erhalten, sodass heute noch ein Eindruck von der Anlage vermittelt wird.

Seit 1744 diente die Festung als Gefängnis für Sträflinge jeder Art, wobei die Erinnerung an die politischen Gefangenen dem heutigen Bewusstsein vom Hohenasperg besondere Bedeutung gibt. Am bekanntesten ist der Schriftsteller Christian Friedrich Daniel Schubart, der wegen seiner Opposition gegen den Herzog von Württemberg 1777 bis 1787 einsitzen musste.

Gedacht wird auch der Demokraten der Zeit um 1848 sowie der Sinti und Roma und anderer Verfolgter im Dritten Reich. Das heutige Vollzugskrankenhaus und die sozialtherapeutische Station können als Beispiel humanen Strafvollzugs gelten.

… auf dem Asperg aber nicht.

Historische Daten im Überblick

Frühe Siedler
Der die fruchtbare Ebene überragende, weit sichtbare Hohenasperg hat schon die Steinzeitmenschen angezogen. Für die seit 7.000 Jahren hier siedelnden Menschen hat der Hohenasperg eine politische und kulturelle Bedeutung.

650 bis 400 v. Chr.
Sitz mächtiger Keltenfürsten, überregional bedeutsames Zentrum in frühkeltischer Zeit.
Römer und Germanen
Römer und germanische Stämme drängen ab 100 v. Chr. in das Gebiet der Kelten.

Um 500 n. Chr.
Das Land um den Asperg ist Grenzgebiet zwischen Alemannen und Franken. Die Franken errichten zur Sicherung ihrer Südgrenze eine Burg auf dem Hohenasperg.

600 bis 700 n. Chr.
Zeit der Christianisierung: Sitz einer Urpfarrei und christlicher Mittelpunkt der Gegend.

Herrschaftszentrum der Grafen
Der Berg ist Sitz eines fränkischen Adligen und Zentrum des Glemsgaus. 819 erste urkundliche Nennung Aspergs. Die Adligen befestigen die Burg und erweitern ihren Machtbereich. Um 1300 erheben die Grafen von Asperg das Dorf auf dem Berg zur Stadt. 1304 wird die Stadt Asperg erstmals urkundlich erwähnt.

Im Besitz des Hauses Württemberg
1308: Graf Ulrich II. von Asperg verkauft seine Herrschaft an Graf Eberhard I. von Württemberg. Zum Stadtrecht auf dem Berg kommt ein Amtssitz mit Gerichtsbarkeit. Im 16. Jh. wird die Burg zur großen Renaissancefestung „Landesfestung“ ausgebaut.

Um 1530 wird die Stadt an den Fuß des Berges verlegt. Durch die damit verbundenen armseligen wirtschaftlichen Verhältnisse gehen die Stadtrechte und Freiheiten verloren, Asperg wird um 1718 zum Dorf. Die Belagerungen der Festung bringen viel Leid über die Bevölkerung. Erst 1875 erhält Asperg wieder den Status einer Stadt.

Im 18. Jh. verliert die Festung ihre militärische Bedeutung. Sie wird Garnison und Staatsgefängnis.

Heute
Justizvollzugskrankenhaus und sozialtherapeutische Klinik des Landes.

Wenn du nicht brav bist, kommst du auf den Asperg.